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Der fünfte Tag 07.04.2011

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Dazu nahm ich -  immer noch schlaftrunken - ein  ohrenbetäubendes Geräusch über dem Dach des Hauses wahr. Langsam  anschwellend und kaum verebbt, begann es wieder und wieder von Neuem und  setzte sich so pulsierend fort. In meinen noch nachtsensiblen Ohren  begann es zu dröhnen als es, ich war nun schlagartig hellwach, heftig an  meiner Tür pochte. Der flüchtige Blick auf meine Uhr verriet: Es war  Punkt sechs Uhr.

Meine Übersetzerin Svetlana stand  kreidebleich im Türrahmen und schrie mit ihrem typisch russischen Akzent  gegen den Lärm an: "Was ist los, was passiert hier gerade?" In der  nächsten Sekunde wich dann doch auch mir alles Blut aus dem Kopf:  Sirenen sprangen an! Ein Heulen, wie ich es nur noch aus meiner Kindheit  kenne. Jeden Samstag um 12 Uhr wurden sie für einige Minuten getestet.  Jetzt hatte ich allerdings ein weniger entspanntes Bild im Kopf.

Hastig  eilten wir zum Fenster um zu schauen woher der Lärm käme. Was wir sahen  war unfassbar! Mein Blick auf Svetlana wurde mit weiten Pupillen  erwidert. Ein, zwei, drei - sieben riesige Militärflugzeuge donnerten  zum Greifen nahe über Pskov. Die vier gewaltigen, dröhnenden Propeller  jeder Maschine schienen sich geradezu in unser Haus zu schrauben. Es ist  ungelogen. Wer so etwas noch nicht erlebt hat, glaubt es nicht. Wir  konnten hinter den erleuchteten Fensterscheiben der Flieger die  Silhuetten  von Menschen sehen.

Krieg in Russland! 

Ich  war in dieser Situation wie in Trance. Alles war so unwirklich. 1000  panische Gedanken gingen mir durch den Kopf und auch wieder nicht. Ich  war unruhig und doch ganz ruhig.  Irgendwie war alles widersprüchlich.  Nicht zu beschreiben. Mein Handeln kam mir vor, wie bei einem ernsten  „Notfall“ in meinem Beruf: der Kopf scheint leer und doch läuft die  „Erste Hilfe“ wie im Film ab.

Waren die schlimmsten Befürchtungen Wirklichkeit?

Ich  fasste einen Gedanken und entschied, zunächst einmal das Fernsehen  anzumachen. Wir gingen in das Wohnzimmer und schalteten den Apparat an.  Da dreht sich das Türschloss und unsere Direktorin Rita blickte uns sehr erstaunt an. Sie kam zum Frühstück machen.

Man kann sich  vorstellen, wie erleichtert wir waren, als sie uns mit ihren offenen  Deutschvokalen aufklärte: „Ohch, dahs ischt Militäähr. Mahchchähn  Ühbuhng ainmohahl iihm Mohnaht.“

Auf den Schreck gönnten wir uns noch im Nachhemd erst einmal eine kräftige, russische Tasse Kaffäh.

Im  Nachhinein kamen mir einige Gedanken in den Sinn. Eine solche Szene,  obwohl sie keine fünf Minuten dauerte, möchte ich ungern noch einmal  erleben. Es ist schon erstaunlich, wohin einen die Phantasie vielleicht  durch Vorurteile, bruchstückhafte russische Politikkenntnis, aktuelle  Fernsehberichte und biografisch versteckte Erinnerungen führt.

Ja, ich bin dankbar, nie einen Krieg erlebt zu haben!

Der  Rest des Tages gestaltete sich wieder sehr positiv! Gestern hatte ich  den Teilnehmerinnen die Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben, eine schöne  Raummitte zu gestalten. Sie sollten schöne Dinge mitbringen, die unsere  fünf Sinne anregen. Bedingung: nichts zu kaufen.

Es  wurden drei „Themen – Mitten“. Ein wunderbarer Erfolg. Sie konnten meine  Seminareinheit, in den Räumen der Altenheime mit einfachen Mitteln und  nur mit etwas Phantasie für Wohlgefühl zu sorgen, nachvollziehen. Liebevoll hatten sie Dinge aus ihrem Leben gesammelt: selbstgestickte,  prachtvolle Decken, selbstgebastelte Schmetterlinge, Duftsäckchen und  –kerzen, Brot und Salz zur Begrüssung eines Gastes und vieles mehr. Ich  hatte die Gelegenheit viele persönliche Geschichten zu erfragen.

Am  Ende bekam ich von einer Kursteilnehmerin zwei Gläser Honig geschenkt.  Es stellte sich heraus, dass sie nebenbei Imkerin ist. Eine weitere  Teilnehmerin überreichte mir eine kleine, aus bunten Stoffläppchen sehr  detailreich und phantasievoll zusammengeknotete Figur. Dies sei eine  russische Tradition, ein Püppchen zum Schutz für den Empfänger. Wenn das  keine schöne Fortsetzung meines Morgenerlebnisses war!

Nun  hoffe ich, dass die Teilnehmerinnen einiges von dem vor uns liegenden  Wohlgefühl der Themeninseln mit in die Einrichtungen nehmen.

Mittags  kam dann das Fernsehen. So etwas mag ich ja gar nicht. Nachdem sie ein  paar Aufnahmen gemacht hatten, musste ich zum Interview. Das Gestammel  lief  heute Abend innerhalb eines „3 Minutenbeitrages“ in einem russischen Programm. Für die Menschen hier in der Stadt eine wertvolle  Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der alten Menschen und der sie  Pflegenden. Sie sind in der hiesigen Gesellschaft immer noch ganz am  Rande stehend und fast vergessen.

Wir jedenfalls waren  innerhalb der alten Pskover Stadtmauern in einem sehr schön  restaurierten mittelalterlichen Hof zu Abend essen.

Allen daheimgebliebenen wünsche ich nun wieder eine geruhsame Nacht. Bis morgen – dann beginnt für mich der letzte Schulungstag.

Tags: #Russland #Krankenschwester

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Qualifizierungen, Vorträge & Seminareratung

Qualifizierungen, Vorträge & Seminare

Demenz erscheint als eine unheimliche Erkrankung: Sowohl der motivierteste Profi als auch jeder Laie steht ihr oft hilflos gegenüber. Darum hat der Mensch mit Demenz und sein Gegenüber oft untereinander zu leiden. Als schulender Experte mache ich in Vorträgen und Seminaren mit den verwirrenden Besonderheiten der Demenz vertraut. Mein Schulungsziel: Den Menschen mit Demenz verstehen, mit ihm kommunizieren und ihn sinnvoll aktivieren. Als berufliche Qualifizierung nach §§ 43b, 45a oder 53c SGB XI (Betreuungskräfte stationär / Alltagsbegleiter ambulant, analog § 8 AnFöVO zugelassenes Qualifizierungskonzept) oder Fortbildung. Das so vermittelte Wissen ist essenziell. Denn nur, wer Demenz wirklich ursächlich begreift und damit das Verhalten der Menschen mit Demenz tatsächlich versteht, entlastet sich selbst und wahrt die Würde aller Beteiligten.

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Alle Vertreter pflegender Berufe als auch Mitarbeitende in Arztpraxis oder Krankenhaus brauchen eine neutrale Anlaufstelle, die einen entlastenden und ideenreichen Austausch unter Kollegen bietet. Dies kann im Rahmen von regelmäßigen Teamsitzungen oder von anlassbezogenen Einzel- und Gruppengesprächen erfolgen. Auch ein berufsbegleitendes Coaching oder die vorgeschriebene Jahres-Pflicht-Fortbildung für professionelle Alltagsbegleiter und Betreuungskräfte nach §§ 43b / 45a (analog § 8 AnFöVO) / 53c SGB XI erhalten die notwendige Berufsfähigkeit. Hier stehe ich als erfahrener, kollegialer Berater und Begleiter zur Verfügung.

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