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Der sechste Tag 08.04.2011

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Für mich als typische  Nachteule aber, die lieber bis ein oder zwei Uhr irgendwelchen kreativen  Gedanken nachhängt, war die Planung der vergangenen Tage überhaupt  nicht gelungen. Wie eine Nachtigall um fünf Uhr in der Frühe das Singen  anzufangen liegt mir ganz und gar nicht. Und dies war aufgrund der  zweistündigen Zeitverschiebung hier in Pskov nun die ganze Woche schon  so. Um halb fünf  nach deutscher Zeit fing das (zugegeben hübsche) Tier an zu flöten – vielmehr: rasselte mein Wecker!

Kein  Wunder, dass mein Biorhythmus so langsam streikt. Hinzu kommt die  angespannte Kopfkonzentration. „Ich bin halt keine 20 mehr…“ sagte ich  mir Mut machend. Nur ein Hahn weiß, was es bedeutet 32 Hühner 8 Stunden und 5 Tage bei Laune zu halten… die Zeit war wunderbar und prall gefüllt  mit Eindrücken und fabelhaften Begegnungen mit Menschen aus einer mir  fremden Kultur!

Ich begann den Tag mit einer Fragestunde.  Die Teilnehmerinnen sollten Ungewissheiten an mich formulieren um zu  klären, was in der vergangenen Woche an pflegetheoretischen Dingen noch  offen geblieben ist und was sie im Allgemeinen über die Altenarbeit in  Deutschland zu wissen wünschten.

So lag der Haupttenor  dann auch auf das Gesundheits- und Pflegeystem in meiner Heimat. Hier in  Russland kennt man keine Kranken-, geschweige denn Pflegeversicherung.  Die medizinische Versorgung wird nach festem Verteilungsschlüssel aus  Steuergeldern bezahlt, die Pflege der hilfsbedürftigen Menschen müssen  die Städte selber regeln. Also auch den Unterhalt der Altenheime (hier  heißen sie „Internate“ und es wohnen ca. 60% alte Menschen dort zusammen  mit geistig und psychisch kranken Menschen jeden Alters), die Auswahl  der anzuschaffenden Hilfsmittel (so gibt es zum Beispiel keine  Pflegebetten oder Lifter und dergleichen) sowie die Bezahlung der Mitarbeiter.

Die Städte bekommen einen Steueranteil  zugewiesen und dann wird entschieden, was z.B. in die Kultur, was in die  Infrastruktur, was in die Verwaltung und was schließlich an Geld einem  „Internat“ zugebilligt wird. Man kann sich ohne weiter nachzudenken  ausrechnen, in welchem Umfang die am Rande einer Gesellschaft stehenden  Menschen mit Mitteln bedient werden.

Die  „Internatsleitung“ wiederum entscheidet, was an Geld wofür ausgegeben  wird. So gibt es in einigen Häusern zum Beispiel immer noch keine  „Pampers“ für Menschen, die ihre Ausscheidungen nicht mehr unter  Kontrolle haben. Diese werden mit alten Handtüchern oder Ähnlichem  versorgt. Unabhängig vom Geruchssinn, welcher in den 6er Zimmern arg  strapaziert wird, kann man sich lebhaft vorstellen, welche Auswirkungen  derlei Zustände auf das Wohlbefinden der BewohnerInnen haben. Mit allen  daraus resultierenden Folgen: Alkohol, Aggressivität u.s.w.

Eine  Teilnehmerin erzählte, dass ein sehr großer Anteil der BewohnerInnen  ihren kleinen monatlichen Rentenanteil zu Beginn eines jeden Monats  umgehend in flüssige Form umwandelt. Weit in den Monat hinein kommen sie allerdings nicht. Sinkt der Alkoholspiegel dann wieder, beginnen für  die anderen BewohnerInnen - und natürlich für das wenig vorhandene  Personal - die Probleme.

Ach, hier könnte ich stundenlang  Geschichten erzählen und Beispiele bringen. Ein Fazit bleibt in jedem  Falle in meinen Gedanken haften:

Was geht es uns in  Deutschland doch gut! Gut so. Aber ich wünschte mir, jeder in meinem  Heimatland hätte einmal die Möglichkeit über den sozialen Tellerrand des  eigenen Umfeldes hinauszuschauen. Vielleicht hätten wir weniger  Unzufriedenheit im Lande. Und weniger Streit um den scheinbar so  lebenswichtigen ersten Platz an der Supermarktkasse!

Die zweite  Einheit war dann mit der Wiederholung der Themeninhalte aus der  vergangenen Woche ausgefüllt. Es wurde noch einmal ausgiebig Basisarbeit  geübt: Lagern, Aufsetzen, Transfers und Co.

Eine hübsche  Anekdote ergab sich aus der dann folgenden letzten Unterrichtseinheit:  Ich hatte eine Klausur vorbereitet. Alles rückte sich schlagartig und  nervös auf dem Stuhl zurecht. Jetzt schien biografisch bedingte  Disziplin besonders gefragt. Entzückend, dies zu beobachten – und: die  Abweichungen von derselben! „Bei dem Deutschen können wir es ja mal  versuchen.“, mag sich so manche Studentin gedacht haben.

Von  meinem durch die autoritäre Frau General – Unterbrechungsprofessorin  angeordneten und zugewiesenen Vorsteherplatz aus, hatte ich einen  phantastischen Überblick (ich war schon froh, dass dieser nicht auf  einem leicht erhöhten Podest vorbereitet war). Lediglich das vor mir auf  dem Tisch zementierte Russland / Deutschland Fahnenensemble schränkte  diesen ein wenig ein.

Wie Zinnsoldatinnen saßen alle  konzentriert und eifrig schreibend bei der Arbeit. Aber – hoppla – was  sah ich denn da durch die Freundschaftswimpel spikend. Ich hatte es zwar  auch schon in den vergangenen Tagen erleben dürfen - man erinnere sich  an die „Szene der Wimpernschläge“ kurz vor dem Gemeinschaftsfoto. Was  sich mir allerdings jetzt präsentierte war schon fast olympische  Disziplin: „Zinnsoldatinnenpupillenverdrehen“ könnte sich diese nennen.

So  kerzengerade sich der Oberkörper und der Kopf meiner Schlawinerinnen  auch präsentierte, die Muskulatur, lediglich den Augapfel und somit den  Blick auf die Arbeit der Nachbarinnen jeweils zur Linken und zur Rechten  zu lenken, war gigantisch ausgeprägt! Meine abendliche Korrektur  offenbarte dann auch die Richtigkeit meiner Beobachtung. Bemühungen, das  so kunstvoll Abgeschriebene wenigstens in eine andere Reihenfolge zu  setzen, wurde oft versäumt.

Wir alle erinnern uns an unsere Lehrzeit und fühlen uns mit ertappt! Manche Dinge sind eben weltweit gleich! Herrlich.

Etwas  wehmütig brachte ich dann meine Abschiedworte über die Lippen. Wir  hatten eine gute Zeit miteinander. Ein temperamentvolles russisches  Abschiedslied für uns und ein typisch russisches Bernsteinbild als Abschiedsgeschenk rührten mich sehr.

Meine Begleiterin,  die meine Schulungen übersetzt hatte, fasste die Inhalte der Woche  wunderbar zusammen und brachte die Empfindungen unserer gewachsenen  Gemeinschaft auf den Punkt: „Sie sind alle so wunderschöne Frauen,  lieben Sie sich selbst, dann können sie auch andere lieben!“ Zu Recht  bekam sie Szenenapplaus und ich hatte dem nichts mehr hinzuzufügen.  Einen besseren Motivationsabschluss für diese Woche konnte es nicht  geben.

Meine Erlebnisse des Erkundungsnachmittages in der  Stadt Pskov kann ich nun beim besten Willen nicht mehr tippen.  Vielleicht wird das später gewünscht? Mir fallen aber gleich im Sitzen  die Augen zu. Und ich will wenigstens noch den Computer ordentlich  herunterfahren.

Allen daheimgebliebenen wünsche ich nun  eine gute Nacht und noch bessere Träume. Erst am Sonntagabend werde ich  einen letzten Eintrag in mein RusslandReiseTageBuch schreiben können.  Eine lange und etwas komplizierte Rückreise nach Deutschland beginnt…mal  sehen, was ich da noch alles erleben darf!

Bis bald!

Tags: #Russland #Krankenschwester

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Demenz erscheint als eine unheimliche Erkrankung: Sowohl der motivierteste Profi als auch jeder Laie steht ihr oft hilflos gegenüber. Darum hat der Mensch mit Demenz und sein Gegenüber oft untereinander zu leiden. Als schulender Experte mache ich in Vorträgen und Seminaren mit den verwirrenden Besonderheiten der Demenz vertraut. Mein Schulungsziel: Den Menschen mit Demenz verstehen, mit ihm kommunizieren und ihn sinnvoll aktivieren. Als berufliche Qualifizierung nach §§ 43b, 45a oder 53c SGB XI (Betreuungskräfte stationär / Alltagsbegleiter ambulant, analog § 8 AnFöVO zugelassenes Qualifizierungskonzept) oder Fortbildung. Das so vermittelte Wissen ist essenziell. Denn nur, wer Demenz wirklich ursächlich begreift und damit das Verhalten der Menschen mit Demenz tatsächlich versteht, entlastet sich selbst und wahrt die Würde aller Beteiligten.

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